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Gestatten, Head of „Success“

Im positiven Fall steckt darin das Kalkül eines Unternehmens, dem Mitarbeiter gegenüber Wertschätzung auszudrücken. Hier muss man im Einzelfall prüfen, wie das Organigramm des Unternehmens aussieht und auf welcher Ebene der „Head of …“ angesiedelt ist. Ist er in der Linie tätig und hat Führungsverantwortung oder ist es eine Stabsstelle oder eine zeitlich begrenzte Projektaufgabe.

Hauptsache Head of Irgendwas? Wenn flache Hierarchien angestrebt werden, sind schöne Titel eher schädlich. Wonach man gelegentlich sucht, sind Mitarbeiter, die einfach nur eine Position ausfüllen. Dieser Titelwahn beruht auf der Annahme, dass jeder Mitarbeiter mit ein bisschen mehr Verantwortung auch eine entsprechende Bezeichnung braucht.

Im folgenden ein paar Beispiele. Heute besonders en vogue Head of E-Commerce, also Chef der wie auch immer gearteten E-Commerceabteilung; oder Head of Facility Management, also Leiter Haustechnik oder auch Hausmeister; Head of Verbal Communications, also Sekretärin; Head of Education Centre Nourishment Production, also Leiter der Kantine; Head of Environment Improvement Technican, also Leiter der Putzkolonne, etc.

Bei Externen kann solch ein Titel nicht nur zur Verwirrung führen. Der Mitarbeiter muss dann auch jedes Mal erst erklären, was er eigentlich macht.

 Was macht eigentlich ein „Head of Hostess/Host“? In einer Stellenanzeige bei Stepstone liest man:“ Die Head Hostess/der Head Host motiviert das Team proaktiv und positiv, indem sie/er das richtige und inspirierende Beispiel gibt und ein starker Teamplayer ist. In dieser Funktion stellst Du sicher, dass alle Gäste- und Reservierungsanfragen professionell entgegengenommen- und umgesetzt werden. Du begrüßt die Gäste bei der Ankunft im Restaurant auf eine freundliche und professionelle Art und Weise und verantwortest auch die Platzzuteilung. Du pflegst positive Gästebeziehungen, um eine hohe Zufriedenheit zu gewährleisten. Du kommunizierst effizient mit allen Abteilungen, einschließlich der Küche, des Services und …“

Was Unternehmen bei diesen durchaus nett gemeinten Beförderungstaktiken vergessen: Sie sind schlicht ineffizient. Wenn jeder einen Titel im Unternehmen erhält, bringt die neue Führungsebene gar nichts. Und wenn es mehr Chefs gibt als gewöhnliche Mitarbeiter, können sich letztere zurückgesetzt fühlen, weil jeder eine Führungsposition hat, nur sie nicht. Vor allem aber offenbaren Unternehmen mit einer Positionsinflation ihre veralteten Hierarchievorstellungen: Nur wer einen Titel hat, ist etwas wert.

Desweiteren ist mit dem Titel ja fehlende Führungskompetenz nicht kompensiert. Im Gegenteil: Bei wachsenden Teams wird sich fehlende Führungsqualität schnell zu einem Problem entwickeln. Und nicht jeder Mitarbeiter will Verantwortung. Manche sind in ihrem Fachbereich gut, genau da und nirgends anders.