Und das funktioniert so: In weniger als 30 Sekunden nimmt das Gehirn Aussehen, Auftreten, Gestik, Mimik und Ton des Gegenübers wahr und konstruiert aus diesen Teilen ein Gesamtbild. Für den ersten Eindruck gibt es oft kaum eine zweite Chance, insbesondere wenn dieser emotional geprägt ist.
Von Beginn an bei den Mitarbeitern einen Stein im Brett haben – dieses Ziel erreichen Führungskräfte am besten durch ernsthafte Vorbereitung auf ihre neue Rolle. „Schon in der ersten Woche sollten die neuen Chefs versuchen, die informellen Spielregeln des Betriebes zu erkunden“, empfiehlt der Psychologe Krumbach-Mollenhauer. Als beste Informationsquelle eignet sich häufig der/die Assistent/in, der/die schon für den bisherigen Chef gearbeitet hat.
Mögliche Fragen an ihn/sie: Wie hat der alte Chef Entscheidungen getroffen und wie sind sie angekommen? Wo lagen wiederkehrende Streitpunkte in der Zusammenarbeit mit dem Team? Wer sollte wie und wann informiert werden? Die Frage nach dem eigenen Auftreten muss jede Führungskraft allerdings für sich selbst beantworten. Ein allgemein erprobtes Chef-Gebaren nach der Devise „one fits all“ sucht man vergebens. Der Führungsstil hängt nun mal auch vom Menschentyp ab. Ist ein Mensch vom Typ her dominant und seiner Umwelt gegenüber misstrauisch, kann er diese Eigenschaften kaum ablegen und sollte daher einen zu ihm passenden Führungsstil wählen.
Klar im Trend liegt seit Jahren der partizipative Führungsstil. Er baut darauf, dass Mitarbeiter eine Mitverantwortung für den Betrieb übernehmen wollen. Besonders junge Führungskräfte setzen auf diese Form der Mitarbeiterführung. Aber Achtung: Klare Ansagen sind hier wichtig! Mitarbeiter wollen Chefs, die nicht nur zuhören, sondern auch die Richtung vorgeben. Doch daran hapert es häufig.
Zu viel Ehrgeiz kann allerdings auch schaden. Besonders junge Leute neigen dazu, den Erwartungen an Führungskräfte unbedingt gerecht werden zu wollen, ohne dass ihnen dies am Anfang gelingen kann. Sie mimen vor den Mitarbeitern den perfekten Chef, der alles im Griff hat, der die Richtung vorgibt, aber gleichzeitig kollegial und verständnisvoll ist.
Doch Vorsicht: Auf Dauer lässt sich das Theaterspiel nicht durchhalten, weil ein Anfänger eben niemals perfekt ist. Besser wäre es, selbstkritisch in sich hinein zu horchen, die eigenen Stärken und Schwächen zu erforschen und so eine individuelle, typgerechte Führung zu entwickeln – eben kein Chef aus dem Bilderbuch – sondern ein Chef aus Fleisch und Blut.